Wer auf dem Wanderweg X25 zwischen Siedlinghausen und Niedersfeld unterwegs ist, entdeckt es vielleicht am Wegesrand: ein kleines Kreuz mit einem besonderen Namen – das Österreicher Kreuz.
Seit dem Frühjahr erstrahlt es in frischem Glanz, denn die Truppe der Rüstigen Rentner hat das Kreuz im Mai instandgesetzt. Die Treppe wurde freigelegt, und der Bildstock hat einen neuen Zaun erhalten. Außerdem wurde das Metallkreuz entrostet und neu lackiert. Viele Jahre lang kümmerte sich Franz Leski um das Gedenkkreuz – ein enger Freund des Verunglückten. Er war damals nach dem Unglück nicht zurück nach Österreich gegangen, sondern fand in Bödefeld eine neue Heimat. Nun musste er die Pflege aus gesundheitlichen Gründen abgeben.
Die Geschichte rund um den Unfall, auf der dieser Beitrag der Frosch-Kolumne basiert, wurde von Bernhard Wiegelmann festgehalten. Ortsheimatpfleger Reinhold Becker hat sie freundlicherweise Siedlinghausen aktuell zur Verfügung gestellt.
In den 60er- und frühen 70er-Jahren sah die Forstwirtschaft noch ganz anders aus als heute. Damals wurde der Wald nicht nach wirtschaftlichen Aspekten bewirtschaftet, sondern ganz praktisch: Die Bauern nutzten ihre eigenen Waldstücke für das, was gerade gebraucht wurde. Neupflanzungen, Durchforstungen oder Holzernte – all das machten sie in Eigenregie, oft neben der eigentlichen Landwirtschaft.
Professionelle Holzarbeiter konnten sie sich meist nicht leisten – das war vor allem großen Waldbesitzern wie Gemeinden, Städten oder Großgrundbesitzern vorbehalten. Nach dem Krieg wurde der Wald als wichtiger Wirtschaftsfaktor erkannt. Kleinere Waldbesitzer schlossen sich zu sogenannten Forstinteressenten-Gemeinschaften zusammen. Diese Gruppen wurden von den Forstbehörden betreut, und je nach Größe wurde ihnen ein Förster zur Seite gestellt. Bei größeren Aktionen – wie zum Beispiel bei starken Sturmschäden oder Schneebruch – wurden zusätzliche Holzfällergruppen angeheuert. So auch im Frühjahr 1966: Der Winter hatte heftigen Schneebruch hinterlassen, und es musste zügig gehandelt werden, um weitere Schäden durch Borkenkäfer zu verhindern. Die Siedlinghauser Forstarbeiter Otto Figge und Franz Josef Ritter waren mit der Aufarbeitung beauftragt worden und bekamen Verstärkung aus Österreich. Die langen Wege nahmen die Holzhauer auf sich, weil sie sich hier ein besseres Einkommen erhofften.
Gemeinsam mit den Österreichern Lorenz Moser, Hans Holleis, Hansi Fletschberger und Franz Leski arbeiteten sie im Gemeindewald „Hoher Hagen“, etwas nördlich vom „Blasius“. Am 5. April, dem Unfalltag, arbeiteten die beiden Siedlinghauser an einer Parzelle etwas unterhalb. Holleis fällte oben beschädigte Bäume, Leski entastete sie. Hansi Fletschberger war ein Stück weiter talabwärts unterwegs und schälte bereits gefällte Stämme – als plötzlich ein Bruchstück herabstürzte und ihn am Kopf traf. Schwer verletzt blieb er am Boden liegen. Die ihm zu Hilfe eilenden Holleis und Leski versorgten ihn so gut es ging, während Franz Josef Ritter mit dem Auto ins Dorf fuhr, um Dr. Böhmer zu holen. Auf dessen Anweisung wurde der Schwerverletzte mit dem Krankenwagen in das Olsberger Krankenhaus gebracht. Hansis Familie wurde benachrichtigt, und sein Vater reiste – so schnell es damals möglich war – mit dem Zug an. Während die anderen Holzhauer über die Ostertage nach Hause fuhren, blieb Hans Holleis mit Hansis Vater am Krankenbett seines Freundes. Drei Tage später traten sie gemeinsam die Rückreise nach Österreich an. Doch in der ersten Nacht nach ihrer Heimkehr kam die Nachricht: Hansi war gestorben. Gerade einmal 21 Jahre alt.
Zur Beerdigung brachte der Vater seinen Sohn nach Hause. Und er ließ ein Kreuz anfertigen – ein sogenanntes Marterl – als Zeichen der Erinnerung. Eine seiner Töchter errichtete es später mit ihrem Mann an der Unglücksstelle. Links und rechts pflanzten Otto Figge und Franz Josef Ritter je eine Birke. Dass dieses Gedenkkreuz bis heute gepflegt wird, ist vor allem Franz Leski zu verdanken. Er blieb im Sauerland und trat später sogar die Stelle des Gemeindeholzarbeiters von Otto Figge an. Die anderen österreichischen Kollegen kehrten nach dem Unfall zurück. Nur einer nicht: Hans Holleis. Der Verlust seines Freundes ging ihm so nahe, dass er sich eine andere Arbeit suchte.

