Kunstschmiede Willecke

Tradition in der Schmiedekunst seit 1893

Wer die Schmiede betritt, begegnet nicht nur einem Handwerksbetrieb, sondern einem Stück Ortsgeschichte, das bis heute lebendig geblieben ist. Das Handwerk, das hier seit Generationen ausgeführt wird, hat sich im Wesentlichen kaum verändert. Noch heute wird in der Kunstschmiede Willecke gearbeitet wie zu jener Zeit, als die Familie Blaufuhs 1891 das Haus übernahm und die Schmiede einrichtete. Das Fachwerkhaus zählt zu den ältesten Gebäuden in unserem Ort. Bereits 1773 wurde es als Vikarie erbaut. Das Innere der Schmiede hat sich bis heute nur wenig verändert. Die große Feuerstelle und der schwere Amboss auf einem mächtigen Baumstumpf stehen hier seit Generationen. Selbst der Anbau nach dem Zweiten Weltkrieg lässt sich noch am Boden erkennen: Während der alte Teil auf Steinboden ruht, wurde der neue Bereich in Beton gegossen. Rüdiger darf sich noch Schmied nennen. Seine Ausbildung absolvierte er vor der Umbenennung des Berufs in Metallbauer der Fachrichtung Metallgestaltung. Dass er selbst Schmied werden und die Familientradition fortführen würde, stand für ihn nie infrage. Seine Familie ist seit Jahrhunderten mit dem Schmiedehandwerk verbunden. Bei Ahnenforschungen stellte seine Schwester Christiane sogar fest, dass es bereits um 1270 Schmiede in ihrer Familie gab.

Oft stellt man sich vor, Schmiede hätten vor allem Schwerter und Rüstungen gefertigt. Doch wie Rüdiger erklärt, gingen sie meist ganz alltäglichen Arbeiten nach. Sie fertigten Nägel, Messer, landwirtschaftliche Geräte und Hufeisen. Sein Vater August Willecke arbeitete noch als Huf- und Wagenschmied. Mit dem Aufkommen landwirtschaftlicher Maschinen wurden Pferde jedoch zunehmend ersetzt. August begann daher früh mit Kunstschmiedearbeiten und fertigte unter anderem individuell gestaltete Geländer an. Heute umfasst das Repertoire zahlreiche Arbeiten aus Bronze, Kupfer und Stahl. Rüdiger fertigt Geländer, Zäune, Gitter, Tore, Türen, Überdachungen und Lampen ebenso wie Grabkreuze, kunsthandwerkliche Figuren und Schilder. Die Leidenschaft für das Material und das Wissen um das alte Handwerk prägen dabei jede Arbeit. Als staatlich geprüfter Restaurator im Schmiedehandwerk übernimmt er zudem fachgerechte Restaurierungen unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten. Mit seiner Arbeit trägt er zum Erhalt historischer Schmiede- und Schlosserarbeiten sowie denkmalgeschützter Gebäude bei. Besonders fasziniert ihn, mit welch einfachen Mitteln früher beeindruckende Arbeiten entstanden, die bis heute Zeugnisse ihrer Zeit und handwerklicher Meisterschaft sind. Auch der bewusste Umgang mit dem Material begeistert ihn. Eisen war früher wertvoll und wurde immer wieder verwendet. So gehörte auch die Herstellung des sogenannten Schweißeisens einst selbstverständlich zum Beruf des Schmieds.

Restaurierungsprojekte führten ihn bereits nach Brilon, Brunskappel, Assinghausen und Warstein, aber auch weit über das Sauerland hinaus nach Düsseldorf, Lippstadt oder Lünen. Dabei legt Rüdiger besonderen Wert darauf, Restaurierungen möglichst originalgetreu und der jeweiligen Zeit entsprechend auszuführen. Wie das aussieht, erklärt er direkt am Objekt: einem Kirchenkreuz aus dem Jahr 1863 aus Sünninghausen. Die Schrauben lassen sich auch nach über 160 Jahren noch problemlos drehen. Stark beschädigte Elemente wurden von ihm fachgerecht ersetzt. Ebenso bearbeitete er die stark mitgenommene Kugel mit ihren Einschusslöchern und vergoldete sie anschließend neu. Das Kreuz erhielt seinen ursprünglichen Anstrich mit Teerfarbe zurück, während auch der Hahn wieder sein goldenes Kleid bekam. Ein berufliches Highlight erlebte Rüdiger Willecke erst vor kurzer Zeit: Für ein neu gebautes orthodoxes Kloster in Buchhagen durfte er ein vollkommen neues Kreuz anfertigen – eine Aufgabe, die in der heutigen Zeit wohl nur einmal im Leben eines Schmieds vorkommt.

Besonders stolz ist Rüdiger auf den Nachwuchs im Handwerk. Mit Anke Hensel absolvierte erstmals eine Frau ihre Ausbildung in seinem Betrieb – und schloss diese direkt als Landesbeste ab. Bei der „Deutschen Meisterschaft im Handwerk – German Craft Skills“ gewann sie in der Fachrichtung Metallgestaltung und wurde zur besten Auszubildenden Nordrhein-Westfalens im Schmiedehandwerk 2025 gekürt. Und die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern: Im Spätsommer beginnt Lotta aus Bremen ihre Ausbildung in der Kunstschmiede Willecke.

 

Kontakt:
Kunstschmiede Willecke
Weberstraße 2
59955 Winterberg
Tel.: 02983 478

 

 

Bild: Tuula Kainulainen